Kosmetikproduktfotografie Teil 2: Anti Agin-Creme als Stilllife

kosmetik_ii_smallHallo liebe Blogleserinnen und Leser,

heute nun der zweite Teil von Kosmetikproduktfotografie. Der erste Teil ist hier zu finden. Manchmal empfiehlt es sich auch mal ein Produkt als Stilllife zu fotografieren. Insbesondere dann, wenn es sich um eine relativ langweiliger Tube Anti-Agin-Creme handelt. Hier reichte schon eine Blüte einer Hyazinthe, die sich dem Deckel der Tube spiegelte aus, um ein interessanteres Fotos zu machen. Zudem passte die Farbe der Blüte dann auch noch zur Vichy-Creme. Ich habe mich bewusst für einen schwarzen Hintergrund entschieden, da dieser m. E. sowohl der Creme als auch der Blüte mehr Geltung verschaffte. Der Spiegeleffekt kam durch einer schwarzen Plexiglasplatte, auf dem das Objekt stand zustande.

Kommen wir jetzt aber zu Schwierigkeiten, die man bei Produkten dieser Art hat. Da wären zunächst ein hochglänzender runder Deckel und dann die eigentliche Tube, die wiederum nach oben immer flacher wird. Man kann also nicht einfach links und rechts jeweils eine Softbox 30-45 Grad nehmen und blitzt damit die Tube dann an. Da würden sich die Softboxen im Deckel spiegeln und ansonsten würde alles flach aussehen. Bei glänzenden Sachen ist es zudem wichtig, dass es ein Verlauf von hell nach dunkel oder umgekehrt gibt. Außerdem wird eine Lichtkante benötigt. Das erreicht man, indem das Produkt von hinten anblitzt. In diesem Fall waren jeweils ein Striplight im Winkel von ca. 45-30 Grad. Damit wird dann eine Lichtkannte gesetzt, die man in dem Deckel besonders gut sieht. Nun reicht es aber leider nicht, dass man nur die Striplights nimmt. Das Bild sieht dann so aus und wir haben den typischen Effekt eines „Zebrastreifen“ (hell-dunkel-hell-dunkel). Außerdem wirken die Lichtkanten relativ brutal. Auch das Produktfoto von Vichy zeigt ähnlich Probleme auf (http://www.vichy.de/anti-aging/bb-cream-idealia/p8354.aspx )

striplights_ohne_diffusoren

Abhilfe schaffen da Diffusoren durch die man durch blitzt. Dadurch, dass die Striplight jeweils von hinten in einem Winkel von 45-30 Grad stehen entsteht ein Verlauf von hell nach dunkel. Der schwarze Streifen in der Mitte entsteht durch die Lücke zwischen den beiden Diffusoren. Dort kommt dann kein Licht mehr hin

Hier zunächst das Bild mit dem Licht von rechts. Auf das Licht im Hintergrund komme ich noch zu sprechen. Hier entsteht schon ein schöner Verlauf von rechts bis hin zur Mitte. Unschön ist bisher noch der Lichtreflex auf dem „V“.

striplight_rechts

Beim nächsten Bild sind beide Striplights im Einsatz. Die Verläufe sind schon ganz gut. Allerdings ist die Tube noch zu dunkel.

striplights_links_rechts

Abhilfe schaffte hier ein ganz schmales Licht von Oben. Hier habe ich mich für einen Snoot mit Wabeneinsatz entschieden. Die Helligkeit stimmt jetzt. Lediglich das „V“ auf der Tube sieht noch nicht gut aus. Aber das kann man ganz gut mit dem Verlaufswerkzeug in Photoshop beheben, so dass ich hier nichts weiter machen musste.

 

Das Striplight von rechts habe ich direkt von den Diffusor platziert, so dass auf keinen Fall Licht nach hinten abging. Dadurch hatte ich rechts eine deutlichere Lichtkannte bekommen. Von links hatte ich das Striplight mit ca. 40 cm Abstand vor dem Diffusor platziert. Die Lichtkannte wurde dadurch weicher. Ich hätte es auch auf beiden Seiten gleich machne können. Aber so gefiel mir das besser. Hier muss man viel ausprobieren, was Abstand und Winkel der Striplights angeht.

setup1

Ich hatte einen schwarzen Hintergrund gewählt. Allerdings wollte ich die Creme nicht völlig im dunklen lassen. Hier kam ein Blitz mit Reflektor und einer 10“ Wabe mit sehr schwacher Leistung zum Einsatz. Auch hier hatte ausprobiert, bis mir der Lichtschein hinter dem Produkt gefiel.
nur Hintergrund

Und hier noch ein Bild vom Setup von hinten

setup2

Heraus kam dann dieses Bild (Canon EF 50mm 2.5 Compactmacro @F/16, ISO 200, T=1/125)

20150227-IMG_957027

und wurde nach etwas Photoshopbearbeitung zu diesem:

kosmetik_ii_med

doppelt klicken um voll Größe zu sehen

 

ISO 200 wurde gewählt, da 300 Ws Leistung der einzelnen Blitze nicht ausreichte, um mit F/16 zu arbeiten. Die brauchte es aber, um genügend Schärfentiefe zu bekommen. Eigentlich bräuchte ich Blitze mit jeweils 600-1200 Ws, die aber bis auf 7,5 Ws herunter geregelt werden können. Ich arbeite bei Peoplefotografie sehr gerne mit sehr offener Blende.

Ich hoffe, dass das Tutorial für die/den eine_n oder andere_n nützlich war. Beim nächsten Mal wird es um Kosmetikprodukte auf weißen Hintergrund gehen.

Bis dahin: Martin Behrsing

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.